Wir trauern um Prof. Armin de Meijere
27. Mai 2026, von Dieter E. Kaufmann, TU Clausthal

Foto: Prof. Armin de Meijere
Am 17. Dezember 2025 verstarb in Göttingen Armin de Meijere, emeritierter Professor für organische Chemie an den Universitäten Hamburg (1977-1989) und Göttingen (1989-2006).
Armin de Meijere (AdM) wurde am 18. Mai 1939 in Homberg am Niederrhein geboren und wuchs dort in der Kriegs- und Nachkriegszeit auf. Er studierte ab 1958 Chemie an den Universitäten Freiburg und Göttingen, wo er 1966 bei Wolfgang Lüttke mit einer Arbeit über „Die Konformationen der niederen Bicycloalkyle“ promovierte. Physikalisch-organischen Untersuchungen an Cyclopropylverbindungen blieb er als Post Doc bei K. B. Wiberg an der Yale University treu. Zurückgekehrt an seine Alma Mater begann er mit dem Aufbau einer Arbeitsgruppe für seine synthetisch orientierte Habilitation über neue organische Kleinringverbindungen, die er bereits im Alter von 32 Jahren abschloss. 1972 wurde er zum Universitätsdozenten, zwei Jahre später zum apl. Professor an der Universität Göttingen ernannt. Sein erster Ruf führte ihn als C4-Professor 1978 nach Hamburg. 1989 wurde er als Nachfolger seines Doktorvaters nach Göttingen berufen, 2006 emeritiert. National wie international wurde er vielfach geehrt, durch Auszeichnungen wie die Adolf-von-Bayer-Denkmünze der GDCh und den Alexander von Humboldt-Gay-Lussac-Preis, Mitgliedschaften in der Norwegischen Akademie der Wissenschaften (1992) und der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft (1997), Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Russische Akademie der Wissenschaften (2009) und eine Reihe internationaler Gastprofessuren.
Er begann seine eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten mit der Synthese hochgespannter polycylischer Kohlenwasserstoffe. Photochemisch gelang der Zugang zu dem überbrückten Trishomobenzol Diademan, dessen katalysierte Umlagerung zu Triquinacen neue Forschungsgebiete eröffnete. Klein-ringverbindungen wie Tetrachlorcyclopropen und Bicyclopropyliden erwiesen sich als vielseitige Synthesebausteine. Nach einem Ausflug in die Cyclophanchemie wurde die Übergangsmetallchemie zunehmend wichtiger, von der Stabilisierung reaktiver Kohlenwasserstoffe wie dem Acepentalen über Untersuchungen zur Pauson-Khand-Reaktion, zu Carben-Komplexen sowie der Kulinkovich-Reaktion, oft mit dem Ziel von Natur- und Wirkstoffen. Zurück in Göttingen rückte dann besonders das Element Palladium ins Zentrum seines katalytischen Interesses, Kaskadenreaktionen wurden gefunden und meisterhaft modifiziert. Spiroanellierte Cyclopropanderivate zeigten besondere Reaktivitätsmuster. Die große synthetische Bedeutung seiner metall-organischen Arbeiten wurde 1997 durch die Ausrichtung des 9. OMCOS-Symposiums in Göttingen gewürdigt.
Armin de Meijere war ein zeitlebens jugendlich wirkender, ungewöhnlich dynamischer wie effizienter Wissenschaftler, dabei freundlich, offen und bescheiden. In Gesprächen wie beim Schreiben zeigte er sich als präziser und innovativer Denker. Die Liste seine rd. 700 Publikationen in angesehenen Journalen ist eindrucksvoll. Sein Arbeitseinsatz war ebenso beeindruckend wie sein Reisepensum zu Vortragseinladungen auf allen Kontinenten, sein Forschungsnetzwerk entsprechend groß. Mit Wissenschaftlern aus Frankreich, Israel, Japan, Russland und den USA kooperierte Armin de Meijere besonders eng. Der Arbeitskreis wurde kontinuierlich größer und internationaler. Seine Studierenden schätzten ihn als begeisternden Lehrer, seine Mitarbeiter als inspirierenden Forschungsleiter. Damit hat er auch ungewöhnlich viele seiner rd. 250 Doktoranden und Post Docs geprägt, erfolgreich die Hochschullehrerlaufbahn einzuschlagen.
Rudern im Achter schätzte er privat, Basketball, Squash und Skiseminare mit seiner Abteilung. Gern und oft war er ein großzügiger Gastgeber, legte auch hier Wert auf Qualität, besonders bei der Auswahl der Weine. In der Dordogne erwarb er mit seinen Honoraren als Herausgeber ein Ferienhaus, in das er gern mit seiner Familie reiste, um die regionalen Spezialitäten zu genießen. Freunde waren stets willkommen. Ein Arbeitszimmer besaß er natürlich auch dort. Seine vielen Schüler haben in ihm einen großartigen Menschen und Mentor verloren, die organische Chemie einen Großmeister.

