Zum Tod von Prof. Reinhard Kramolowsky (1935-2026)
8. April 2026, von Axel Jacobi von Wangelin, im Namen des Instituts für Anorganische Chemie und des Fachbereichs Chemie

Foto: Prof. Reinhard Kramolowsky
Eben haben wir ihm noch zu seinem 90. Geburtstag gratuliert, jetzt nehmen wir Abschied: Am 29. März, Palmsonntag, verstarb unser langjähriger und hoch geschätzter Kollege Prof. Reinhard Kramolowsky. Der Fachbereich Chemie und alle Mitarbeiter*innen am Institut für Anorganische Chemie trauern um Kramo, wie er freundschaftlich gerne genannt wurde.
Reinhard Kramolowsky begann seine wissenschaftliche Karriere an der Technischen Hochschule München (heute TUM), wo er nach einem Chemie-Studium im Jahr 1962 bei Walter Hieber, dem Vater der Metallcarbonyl-Chemie, über neuartige Nitrosyl-Metallkomplexe promovierte (Titel der Dissertation: „Komplexchemisches Verhalten der Nitrosyleisenhalogenide und Magnetochemie von Stickoxid-, Kohlenoxid- und Fulminato-Komplexen“). Ein Jahr später folgte Kramo dem Lockruf eines anderen ehemaligen Hieber-Schülers, Prof. Reinhard Nast, an die Universität Hamburg. Zunächst als Oberassistent, später als wissenschaftlicher Rat und Abteilungsleiter; 1977 wurde er Professor am Institut für Anorganische Chemie. Zusammen mit den nahezu gleichzeitig berufenen Kollegen Günter Klar und Walter Dannecker bildete Kramo am Institut nicht nur eine kollegiale Familie, auch abseits der Wissenschaft entstanden enge freundschaftliche Verbindungen ihrer Familien. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002 forschte er an schweren Übergangsmetall-Komplexen mit multidentaten Phosphor- und Schwefel-Liganden, vorrangig mit späten 4d- und 5d-Metallen. Eine frühe Forschungsarbeit zum Einbau von Luftstickstoff in Thiolat-Salze veröffentlichte Kramo zusammen mit einem meiner ersten Hochschullehrer, der mir viele Jahre später einige Flausen austrieb und den Weg durch ein engagiertes Chemiestudium wies. In seinen Lehrveranstaltungen an der Uni Hamburg zeigte Kramo großes Engagement für alle Aspekte von Organometall- und Koordinationschemie. Mit Enthusiasmus brachte er den Studierenden auch in die tieferen Ecken von Struktur-Eigenschaftsbeziehungen Licht. In der akademischen Selbstverwaltung kämpfte Kramo viele Jahre tatkräftig für die Belange des Fachbereichs, u.a. im Akademischen Senat, wo er zu einem fundierten Kenner der knappen Geldströme wurde. Vielen Institutsdirektoren stand er als „Finanzminister“ zur Seite. Prof. Kramolowsky hatte ebenfalls großen Anteil an der kompetenten Planung und baulichen Realisierung unserer großzügigen und funktionalen Chemiegebäude am Martin Luther King Platz, deren Wert wir angesichts eines nahenden Umzugs heute mehr denn je zu schätzen wissen.
Kramo war seiner Chemie und seinen Kolleg*innen bis zuletzt sehr eng verbunden. Mike Steiger bewahrte auf Kramos Wunsch etliche Proben seiner Forschungsarbeiten für spätere Untersuchungen auf, die er noch (heimlich) plante; einige davon haben es bis in die Labore seiner Nachnachfolgerin Lisa Vondung geschafft. Bis zuletzt war Kramo auch jederzeit für einen fröhlichen Schnack aufgelegt, als er immer noch ziemlich regelmäßig durch das Institut und den Glasgang wandelte. Er verstarb am Tag des Frühlingsbeginns während eines letzten Spaziergangs. Der Fachbereich Chemie schätzt sich sehr glücklich, diesen fachlich und sozial kompetenten Kollegen über viele Jahre in unserem Hause gehabt zu haben. Wir werden uns sehr gerne seines Schaffens und fröhlichen Naturells erinnern.
In stiller Trauer und dankbarer Erinnerung.

