Wir trauern um Prof. Dr. med. Reinhard Bredehorst (1946–2026)
13. April 2026, von Thorsten Mix und Prof. Dr. Simon Blank

Foto: Prof. Reinhard Bredehorst
Reinhard Bredehorst verstarb am 4. April 2026, wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag. Von 1991 bis 2014 war er Professor für Biochemie und Molekularbiologie an unserem Fachbereich.
Reinhard wurde am 14. Mai 1946 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur am Naturwissenschaftlichen Gymnasium in Hamburg-Altona studierte er ebendort Medizin und promovierte 1978 bei Helmuth Hilz zum Dr. med. Im Jahr 1983 habilitierte er sich und erhielt die „venia legendi“ für das Fach Physiologische Chemie. 1984 wurde er zum Assistant Professor of Biochemistry und 1987 zum Associate Professor of Biochemistry and Molecular Biology an der Georgetown University in Washington, D.C., USA, ernannt. 1991 folgte er dem Ruf nach Hamburg an die Abteilung für Biochemie und Molekularbiologie, blieb der Georgetown University jedoch weiterhin als Adjunct Professor verbunden. 1998 wurde ihm die Anerkennung als Facharzt für Biochemie verliehen.
Die wissenschaftliche Arbeit seiner Hamburger Arbeitsgruppe war geprägt von einem starken translationalen Anspruch. Ein Schwerpunkt lag auf strukturbasiertem Proteindesign und Antikörper-Engineering. Hierzu gehörten unter anderem Arbeiten an rekombinantem „Cobra Venom Factor“ und C3-Derivaten, mit dem Ziel, das Komplementsystem gezielt zu modulieren und neue therapeutische Ansätze für komplementvermittelte Erkrankungen zu entwickeln. Darüber hinaus leistete seine Arbeitsgruppe wichtige Beiträge zur Entwicklung und Anwendung avianer Antikörperkonstrukte sowie von Single-Chain Variable Fragments (scFv), die zur Standardisierung und Verbesserung diagnostischer Verfahren beitrugen.
Ein späterer und besonders prägender Schwerpunkt seiner Forschung lag auf der Verbesserung der Diagnostik und Therapie allergischer Erkrankungen. Er widmete sich der Identifizierung, der rekombinanten Herstellung und der Charakterisierung neuer Insektengiftallergene. Diese Arbeiten haben wesentlich dazu beigetragen, dass entsprechende Komponenten heute in der Routinediagnostik etabliert sind und eine deutlich präzisere Diagnostik der Insektengiftallergie ermöglichen. Dies hat das Patientenmanagement nachhaltig verbessert und ermöglicht eine individuell zugeschnittene Therapie für viele Betroffene. Darüber hinaus verfolgte er das Ziel, die allergenspezifische Immuntherapie grundlegend weiterzuentwickeln. Viele seiner Ideen fanden Eingang in Patente und werden bis heute von seinen wissenschaftlichen Schülern und Weggefährten in internationalen Forschungsinstitutionen weitergeführt.
Reinhard war Mitbegründer der universitären Ausgründungen PLS-Design GmbH und Tolerogenics SARL. Sein Wirken steht beispielhaft für die erfolgreiche Translation der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung. Ihm war es stets ein zentrales Anliegen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse den Patientinnen und Patienten zugutekommen.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen wurde er vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem G.E. Konjetzny-Preis für Arbeiten in der Krebsforschung, dem Dr. Martini-Preis für Arbeiten über postsynthetische Proteinmodifikationen, dem Alan Berman Research Award für herausragende Arbeiten zu Immunoassays sowie dem Kind-Philipp-Preis für pädiatrische Hämatologie und Onkologie.
Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war er ein außergewöhnlicher und inspirierender Hochschullehrer. In seinen Vorlesungen forderte er die Studierenden auf, nicht mitzuschreiben, sondern sich ganz dem Verständnis und der Faszination der Biochemie zu überlassen. Seine Prüfungen waren anspruchsvoll und weithin bekannt, nicht, weil sie unfair gewesen wären, sondern weil für ihn nicht auswendig gelerntes Wissen, sondern echtes Verständnis und das Durchdringen biochemischer Zusammenhänge zählten. Mit großer didaktischer Klarheit und persönlichem Charme gelang es ihm, Studierende dazu zu bringen, komplexe Zusammenhänge selbst zu erschließen. Er hat damit Generationen von Studierenden geprägt und ihr eigenes wissenschaftliches und didaktisches Denken nachhaltig beeinflusst.
Reinhard war ein herausragender Hochschullehrer, ein inspirierender Mentor und ein Wissenschaftler, der verstanden hat, seine Forschung in den Dienst der Patienten zu stellen. Er forderte und förderte gleichermaßen und hat bleibende Spuren hinterlassen.
Auch jenseits der Wissenschaft war er ein leidenschaftlicher Mensch. Er war begeisterter Skifahrer und Squashspieler und verbrachte viele Stunden, insbesondere in seinem Ruhestand, mit der Gartenarbeit auf seinem Grundstück nahe der Nordsee, wo er sich ein persönliches Refugium geschaffen hatte. Er hat damit vorgelebt, dass ein erfülltes Leben sowohl die Hingabe zur Wissenschaft als auch die Wertschätzung des Privaten umfasst.
Wir werden Reinhard Bredehorst als hochgeschätzten Kollegen, inspirierenden Lehrer und prägenden Forscher sehr vermissen.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Familie.

