Dieter Rehder feiert seinen 85. Geburtstag
22. Februar 2026, von Michael Fröba

Foto: privat
Prof. Dieter Rehder wurde am 22. Februar 1941 in Hamburg geboren. Er absolvierte sein Chemiestudium an der Universität Hamburg und promovierte dort 1970 in der Arbeitsgruppe von Reinhard Nast. Das Thema seiner Doktorarbeit lautete: „Zur Kenntnis gemischter Carbonyl-, Cyano- und Cyclopentadienyl-Komplexe des V(+I), und V(-I)“. Im Anschluss war Dieter Rehder dann bis 1972 als Assistent am Institut und parallel als Dozent an der Fachhochschule für Tabaktechnologie und Bioingenieurwesen in Hamburg-Bergedorf tätig. Ende 1972 kam dann eine große geographische Veränderung und er wechselte an das Institute of Sugar Technology am College of Arts, Science & Technology in Kingston (Jamaica), wo er bis 1975 arbeitete. Im Anschluss kehrte Dieter wieder nach Hamburg zurück, um an unserem Institut 1979 seine Habilitation mit dem Thema „Präparative, 51V-NMR- und IR-spektroskopische Aspekte der Chemie diamagnetischer Carbonylvanadiumkomplexe und Vanadyl-Verbindungen“ abzuschließen. Bis 1984 war er dann als Assistent tätig, bevor er im selben Jahr zum C3-Professor am Institut berufen wurde. 1988 war er außerdem noch Gastprofessor an der University of Indiana in Bloomington (USA) und auch über seine Pensionierung (2006) hinaus weiterhin wissenschaftlich sehr aktiv. So war er beispielsweise in den Jahren 2008-2009 Gastprofessor an der Universität in Lund (Schweden) und hat noch bis 2014 insgesamt mehr als 330 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht.
Der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten befasste sich mit Aspekten der Bioanorganischen Chemie, einer Forschungsrichtung, die sich erst in den 1960er als eigenständiges Forschungsfeld etabliert hatte und das eine sehr interessante Brücke zwischen Anorganischer Chemie und der Biochemie schlägt. Sein besonderer Fokus lag hierbei auf der Chemie des Vanadiums, ein Element, das es ihm besonders angetan hat und ihn sein gesamtes wissenschaftliches Leben lang begleitete. Es kommt in Flora und Fauna vor und übernimmt eine Reihe wichtiger biochemischer Aufgaben. Im Rahmen seiner Forschung synthetisierte seine Arbeitsgruppe dann eine Reihe von vanadiumhaltigen Koordinationsverbindungen, die Strukturelemente enthielten, wie sie in Naturstoffen wie z.B. den Haloperoxidasen und Nitrogenasen zu finden sind und die als Modellsysteme für die Untersuchung der aktiven Zentren der Enzyme fungierten. Neben röntgenographischen Untersuchungen an diesen Verbindungen spielte insbesondere die 51V-NMR-Spektroskopie eine zentrale Rolle bei der strukturchemischen Aufklärung dieser Verbindungen und ihrer Wirkungsmechanismen. Darüber hinaus widmete sich Dieter Rehder in seiner Forschung auch den medizinischen Anwendungen von vanadiumhaltigen Verbindungen. In diesem Zusammenhang untersuchte er z.B. Vanadiumkomplexe, die das Hormon Insulin in seinem antidiabetischen Effekt imitieren, aber eine geringere Toxizität und optimierte Stabilität und Aufnahmevermögen aufweisen. Vanadium, das auch für seine Ausbildung von Polyanionen (z.B. Decavanadat) bekannt ist, beschäftigte ihn auch im Zusammenhang mit der anorganischen Katalyse. So gelang es ihm, beispielsweise Polyoxidometallat-Cluster in Makrozyklen einzubringen, sie zu funktionalisieren und zu stabilisieren und sie dann als „gelöste Oxide“ in der homogenen Oxidationskatalyse einzusetzen. Sein Interesse an Polyoxometallaten (POMs) sowie seine NMR-Expertise führte in den Neunziger Jahren außerdem zu einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem leider 2024 verstorbenen Kollegen Prof. Achim Müller aus Bielefeld, der u.a. für seine porösen Molybdat-basierten Riesenmoleküle bekannt war, die Gastspezies aufnehmen konnten und deren Verhalten Dieter mithilfe der NMR-Spektroskopie genauer untersuchte.
Neben seiner besonderen Beziehung zum Vanadium, für das Dieter Rehder zu einem der weltweit anerkanntesten Fachleute zählt, interessiert ihn auch die Chemie im interstellaren Raum. Insbesondere die Frage wie Wasser und organische Moleküle unter diesen Bedingungen entstehen konnten, auf die Planeten und Monde gelangt sind und welche Auswirkungen sie auf mögliche Lebensformen in den habitablen Zonen der jeweiligen Sonnensysteme haben, beschäftigt ihn noch heute. Neben einem Lehrbuch zur Bioanorganischen Chemie (2014) und einem weiteren speziell zur Bioanorganischen Chemie des Vanadiums (2008), hat Dieter Rehder auch ein Buch zur Chemie im Weltraum (2010) und zur Frage von Leben auf Exoplaneten (2014) geschrieben. Die Themen der beiden letzten Bücher interessieren mich auch selbst und ich kann seine Bücher nur jedem, der in das Thema einsteigen möchte, wärmstens empfehlen.
Außerdem war Dieter auch sehr aktiv in der Lehre und hat bspw. über viele Jahre hinweg die Experimentalvorlesung zur Allgemeinen und Anorganischen Chemie für das Nebenfach sowie die Spezialvorlesungsreihe zur Bioanorganischen Chemie gehalten und viele Studierende in die Grundlagen der Anorganischen Chemie aber auch in die Besonderheiten der biologisch relevanten Komplexverbindungen eingeführt. Dieter Rehder war mit seiner immer freundlichen und menschlich sehr angenehmen Art am Institut aber auch bei den Studierenden sehr beliebt. Er hatte immer ein offenes Ohr für andere Menschen und war mit seinem hochkonzentrierten aber dabei trotzdem gelassenen Auftreten ein sehr guter Ratgeber und Problemlöser.
Abschließend möchte ich Dir lieber Dieter im Namen des Instituts aber auch ganz persönlich alles Gute zu Deinem 85. Geburtstag wünschen und das mit der Hoffnung verbinden, dass Du weiterhin gesund bleibst und wir Dich auch in Zukunft ab und zu am Institut noch treffen können.

