Jost Weyer wird 90 – wir gratulieren herzlich!Prof. Dr. Jost Weyer zum 90. Geburtstag
21. Mai 2026, von Karin Reich und Elena Roussanova

Foto: Prof. Dr. Jost Weyer
Am 21. Mai 2026 feiert der Hamburger Chemiker und Chemiehistoriker Jost Weyer den 90. Geburtstag. Sein Leben ist eng und ununterbrochen mit Hamburg sowie mit der Universität der Hansestadt verbunden.
Jost Weyer erblickte das Licht der Welt in der Stadt an der Alster und der Elbe. Nach dem Besuch des altsprachlichen Wilhelm-Gymnasiums1 nahm der junge Weyer an der Universität seiner Geburtsstadt das Studium der Chemie auf. Dieses schloss er 1967 mit der Promotion zum Dr. rer. nat. ab. In seiner Dissertation behandelte er die „Selektive katalytische Oxidation der 1,6-Anhydro-β-D-hexopyranosen“. Seine Doktorväter waren die herausragenden Chemiker Kurt Heyns (1908–2005) und Hans Paulsen (1922–2024).
Nach dem Abschluss des Studiums wandte sich Jost Weyer der Geschichte der Naturwissenschaften zu, wobei ihm seine humanistische Gymnasialbildung zugutekam. Der Leiter des 1960 an der Universität Hamburg gegründeten Instituts für Geschichte der Naturwissenschaften, der Wissenschaftshistoriker Bernhard Sticker (1906–1977), beantragte für ihn ein DFG-Forschungsstipendium. Das Ergebnis war eine Arbeit „Chemiegeschichtsschreibung von Wiegleb (1790) bis Partington (1970)“ über die Methoden, Prinzipien und Ziele der wissenschaftlichen Historiographie der Chemie, die 1974 als Buch erschien. Jost Weyer wurde 1970 zum Wissenschaftlichen Rat, 1971 zum Wissenschaftlichen Oberrat und 1977 zum Professor ernannt. Seit 1970 hielt er Vorlesungen zur Geschichte der Chemie und führte Seminare durch.
Zusammen mit dem Orientalisten und Wissenschaftshistoriker Karl Garbers (1898–1990) veröffentlichte er 1980 ein „Quellengeschichtliches Lesebuch zur Chemie und Alchemie der Araber im Mittelalter“. 1992 erschien Jost Weyers weiteres fundamentales Werk zur Geschichte der Chemie: „Graf Wolfgang II. von Hohenlohe und die Alchemie: alchemistische Studien in Schloß Weikersheim; 1587–1610“. Dieser Monographie lagen zahlreiche Archivrecherchen und Untersuchungen zugrunde, die Jost Weyer zu dem gebildeten und an der (Al)Chemie interessierten Grafen Wolfgang II. von Hohenlohe (1546–1610) sowie zu dessen Umfeld angestellt hatte. Dieses Buch vermittelt ein erschöpfendes Bild einer wichtigen Epoche der Alchemie, wie diese an Fürstenhöfen der Renaissance betrieben worden war. Es diente als Grundlage für die Gestaltung der Dauerausstellung „Alchemie in Weikersheim“, die seit dem Jahr 2000 im Schloss Weikersheim zu besichtigen ist.
Die von Jost Weyer im Laufe von drei Jahrzehnten an seiner alma mater gehaltenen Vorlesungen über die Geschichte der Chemie sowie die umfangreiche Sammlung von Quellenmaterial verschafften ihm ein breites Blickfeld, über das wahrscheinlich kein anderer Chemiehistoriker in Deutschland verfügt. Die von ihm erzielten Ergebnisse hat er stets aufs genaueste überprüft und stets durch Quellen belegt. Nach seiner Entpflichtung im Jahr 1999 widmete sich Jost Weyer der Niederschrift seines Lebenswerkes, in das er wichtige Inhalte und Ergebnisse seiner Lehr- und Forschungstätigkeit einarbeitete. So entstand ein großartiges Werk zur Geschichte der Chemie, in dem deren sämtliche Epochen präzise und lückenlos beleuchtet werden. Die zweibändige „Geschichte der Chemie“ sowie ein Band mit ergänzendem Quellenmaterial erschienen 2018 im Verlag Springer Spektrum. Dieses „Jahrhundertwerk“ bereichert die Wissenschaftsgeschichte und lässt den Glanz seines Autors auch auf die Universität Hamburg zurückstrahlen.2
Jost Weyer war von 1979 bis 1990 Vorsitzender der Fachgruppe „Geschichte der Chemie“ der Gesellschaft Deutscher Chemiker.
Die charismatische, dabei aber bescheidene und etwas zurückhaltende Persönlichkeit Jost Weyers spiegelt dessen gründliches und solides Wissen wider. Auch die Musik spielt in Weyers Leben eine wichtige Rolle. Seine Familie, vor allem seine Frau, waren und sind ihm eine große Stütze.
Anlässlich des bevorstehenden runden Geburtstags wünschen ihm seine ehemalige Kollegin sowie seine Schülerin vor allem stabile Gesundheit und weitere Schaffenskraft.
[1] Eröffnet 1881 als „Neue Gelehrtenschule“. 1883 wurde ihr vom Senat der Freien und Hansestadt zu Ehren Kaiser Wilhelms I. der Name „Wilhelm-Gymnasium“ verliehen. Für das Gymnasium wurde an der Moorweide ein Gebäude errichtet, der heutige Altbau der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Moorweidenstraße 40).
[2] Siehe Rezension

