Jürgen Voß feiert seinen 90. Geburtstag
19. Februar 2026, von Thomas Behrens

Foto: privat
Jürgen Voß wurde am 19. Februar 1936 in Hamburg geboren. Sein Vater verstarb früh bei einem Betriebsunfall. In den Kriegsjahren wurden er mit seiner Schwester und Mutter ausgebombt und zunächst nach Bayern evakuiert. Einige Jahre später zog es die Familie aber zurück nach Hamburg und die Liebe zur Chemie begann während der Schulzeit mit einem Chemie-Experimentierkasten. Nach einem Wartesemester in Physik begann er 1955 mit dem Studium der Chemie. Dieses war damals noch in der Jungiusstraße (AC, PC, Analytik) und der Villa Tannenhöft bei Ahrensburg, in der provisorisch die Abteilung Organische Chemie nach dem Krieg ausgegliedert war. Nach dem Diplom (1962) folgte die Promotion 1965 mit dem Thema "Oxydationsreaktionen an Thioamidgruppierungen in heteroaromatischen Systemen" bei Prof. Wolfgang Walter. Anschließend wurde er zum Wissenschaftlichen Assistenten ernannt, nachfolgend zum Wissenschaftlichen Rat und Oberrat. In dieser Zeit baute er sich eine kleine Arbeitsgruppe auf und war in die Lehre eingebunden. 1977 erfolgte die Habilitation mit dem Thema "EPR-spektroskopische Untersuchungen an den Radikalanionen von Carbonsäurederivaten" und die Überleitung auf eine Professur.
Seine Forschungsschwerpunkte lagen im Bereich der Erforschung der Elektronenverteilung von aromatischen Systemen mit Akzeptorsubstituenten mittels EPR-Spektroskopie und der Spektrensimulation, z.B. mittels Dichtefunktionaltheorie. Präparativ wurde die Chemie der Thiozucker mit diversen Systemen bis hin zu Nuceosidanaloga erforscht. Über den SFB 188 "Reinigung kontaminierter Böden" wurde die Expertise im Bereich der Elektrochemie auf die Enthalogenierung von chlorierten polykondensierten Aromaten angewandt.
Jürgen Voss hat in der akademischen Selbstverwaltung u.a. an Studienreformen mitgearbeitet, war Institutsleiter der Organischen Chemie und ein sehr beliebter Prüfer für das Diplom. Über seine Pensionierung 2001 hinaus war er lange Jahre Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitherausgeber der Zeitschrift “Phosphorus, Sulfur, and Silicon and the Related Elements“. Insgesamt kann er auf über 200 Publikationen zurückblicken, die letzte aus 2025.
Das Leben im Arbeitskreis war durch tägliche Mensabesuche und Kaffeerunden sehr familiär. So gab es neben Kanufahrten und Fahrradtouren eine Weihnachtsfeier mit einer Arbeitskreiszeitung, der „Tradischohn und Tüddelkram“ - kurz TuT - die zum Jahresende das Jahr reflektierte und vielleicht ein Vorgänger unsere Mitarbeiterzeitung ist. Das letzte Arbeitskreistreffen fand 2023 statt, die Planung im Jubiläumsjahr läuft.
Abschließend möchte ich Dir, lieber Jürgen, ganz herzlich zum Geburtstag gratulieren und alles Gute zu Deinem 90. Geburtstag wünschen.

