Ingeborg-Gross-Promotionsstipendien 2026: Moritz Hilgers und Sofia Boja
3. Februar 2026

Foto: Mentz/RRZ-MCC, privat
Moritz Hilgers befasst sich seit dem Studium an der Universität Hamburg mit polymerchemischen Fragestellungen. Er hat erste Erfahrungen auf dem Gebiet der Butadienpolymerisation sowie zur Polymeranalytik gesammelt. In seinem Promotionsvorhaben widmet er sich der Entwicklung nachhaltiger Tackifier‑Harze sowie der grundlegenden Untersuchung ihrer Struktur‑Eigenschafts‑Beziehungen. Tackifier dienen der Erhöhung der Klebrigkeit von Natur‑ und Synthesekautschuken, gleichzeitig bestehen hinsichtlich ihrer molekularen Struktur und Wirkungsweise weiterhin erhebliche Wissenslücken. Zudem sind viele etablierte phenolische Komponenten toxikologisch relevant.
Das Forschungsvorhaben umfasst die chemische Charakterisierung bestehender Tackifier mittels NMR‑Analyse, Massenspektrometrie, thermischer Analysen und oberflächenanalytischer Verfahren. Ergänzend werden nachhaltige aromatische Rohstoffe, etwa Lignin und Tannin‑Derivate, hinsichtlich ihrer Eignung als alternative Harzbausteine bewertet und in neuen Synthesewegen umgesetzt werden. Ziel ist ein grundlegendes Verständnis der für den Tack relevanten Strukturmerkmale sowie die Entwicklung eines nachhaltigen Harzes im Sinne eines Proof‑of‑Concepts. Gummitechnologische Untersuchungen an Natur‑ und Synthesekautschuken begleiten die Arbeiten und dienen der Bewertung der mechanischen und adhäsiven Eigenschaften modifizierter Systeme.
Das Projekt wird in der Arbeitsgruppe von Prof. Luinstra in Kooperation mit Dr. Tim Beermann, Dr. Christian Geidel und Dr. Felix Niefind von Schill + Seilacher Struktol durchgeführt.
Seit dem Besuch der Vorlesung „Biohybrid Nanostructures“ von Professor Beck im Jahr 2022 entwickelte Sofia Boja ein wachsendes Interesse an dem interdisziplinären Forschungsfeld an der Schnittstelle von Biochemie und Physikalischer Chemie. Dieses Interesse vertiefte sich weiter durch das begleitende Praktikum im Arbeitskreis Beck im Jahr 2023 sowie durch eine anschließende anderthalbjährige Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft. Die enge inhaltliche Zusammenarbeit und das Arbeitsumfeld im Arbeitskreis bestärkten sie darin, auch ihre Masterarbeit dort erfolgreich anzufertigen und den wissenschaftlichen Weg konsequent fortzusetzen.
In ihrer Promotion an der Universität Hamburg widmet sich Sofia Boja dem Thema „Proteincontainer als innovatives Tool für die Biomedizin“. Im Zentrum ihres Forschungsprojekts steht der Proteincontainer Encapsulin, der als Plattform für nanomedizinische Anwendungen etabliert und gezielt weiterentwickelt werden soll. Proteincontainer bieten aufgrund ihrer exakt definierten Struktur und ihrer gezielt funktionalisierbaren Oberfläche ideale Voraussetzungen für reproduzierbare Wechselwirkungen mit biologischen Systemen. In Vorarbeiten der Gruppe konnte bereits gezeigt werden, dass sich anorganische Nanopartikel wie Goldnanopartikel kontrolliert in Encapsulin einkapseln lassen. Goldnanopartikel besitzen plasmonische Eigenschaften und können Licht in Wärme umwandeln, was sie für therapeutische Anwendungen wie die photothermische Tumortherapie interessant macht. Ergänzend werden Oberflächenmodifikationen mit krankheitsspezifischen Liganden untersucht, um eine gezielte Zellinteraktion zu ermöglichen. Die strukturelle Charakterisierung erfolgt unter anderem mithilfe von Synchrotronstrahlung am Forschungsstandort Hamburg.
Ingeborg‑Gross‑Promotionsstipendien sind mit monatlich 2.100 € über 3+1 Jahren dotiert. Die Förderung erfolgt durch die Ingeborg‑Gross‑Stiftung und den Freundes- und Förderverein Chemie der Universität Hamburg e.V., der zudem zahlreiche weitere Projekte im Fachbereich unterstützt.

