Uli Behrens wird 80 – wir gratulieren herzlich!
28. Januar 2026, von Frank Hoffmann

Foto: Fachbereich Chemie
Am 28.01.1946, im noch völlig zerstörten Nachkriegsdeutschland, erblickte Uli Behrens in Hamburg-Bramfeld (das Dorf Bramfeld wurde übrigens erst 1937 ein Stadtteil von Hamburg) das Licht der Welt. Weil sein Elternhaus ausgebombt war, wuchs er in einer Kleingartenkolonie in Hamburg-Wandsbek auf. Schon früh verspürte er einen großen Drang zum naturwissenschaftlichen Experimentieren. Und obwohl es auf seinem Gymnasium an der Wartenau keinen naturwissenschaftlichen Zweig gab, begann er im Sommersemester 1966 hier am Martin-Luther-King-Platz 6 sein Chemiestudium. Nach der Diplom- (1971) und Doktorarbeit (1975) bei Prof. Erwin Weiss, die er im Übrigen mit der Bestnote summa cum laude abschloss und bei der der externe Gutachter der frisch mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnete Prof. Ernst Otto Fischer war, begann er seine Habilitation, die er 1981 abschloss. Anschließend hatte er zwei halbe Stellen: Eine an der Uni Bremen, wo er u.a. die Abteilung für Röntgenstrukturanalyse aufbaute, und eine in Hamburg, wo er anfing, seine Arbeitsgruppe zu etablieren. Seit 1986 wirkte er dann als Professor am Institut für Anorganische und Angewandte Chemie. Seine Forschungsschwerpunkte lagen im Bereich der Organometallchemie und erstreckten sich von Olefinkomplexen der Übergangsmetalle über Komplexe der s-Elemente bis zu Verbindungen mit nicht-koordinierten Carbanionen. Er war dabei außerordentlich erfolgreich: Er hat mehr als 200 Originalarbeiten publiziert, unter seiner Leitung sind rund 30 Dissertationen entstanden und zwei seiner ehemaligen Mitarbeiter:innen (Susanne Töfke und Frank Thomas Edelmann) sind selbst Hochschullehrer:innen geworden. Für die hervorragende wissenschaftliche Anleitung seiner Mitarbeiter:innen erhielt Uli Behrens 2001 als erster Preisträger überhaupt den mit 25.000 Euro dotierten Preis für Mentorship der Claussen-Simon-Stiftung.
So erfolgreich Uli Behrens in der Forschung war, so engagiert und beliebt war er auch im Bereich der Lehre. Er war Leiter des Grundpraktikums AC im ersten Semester und hat die begleitenden Vorlesungen dazu gehalten. Im Jahr 2000 verlieh ihm das ‘Evaluationsteam der Fachschaft Chemie’ den mit einer Flasche Wein dotierten Preis für seine herausragende Lehrveranstaltung „Theoretische Einführung in das Grundpraktikum.“ Und nachdem auch die offiziellen Lehrveranstaltungsevaluationen der Uni Hamburg ab dem Wintersemester 2006/2007 eingeführt wurden, erhielt Uli Behrens regelmäßig den Preis für die beste Vorlesung im Fachbereich Chemie. Sein Nachfolger als Leiter des Grundpraktikums und Lehrperson für die begleitende Vorlesung, Felix Brieler, profitiert auch heute noch von den handschriftlichen Notizen, die Uli Behrens ihm überlassen hat.
Darüber hinaus hat Uli Behrens dafür gesorgt, dass viele andere von seinem außerordentlich großen Know-How im Bereich der Einkristallstrukturanalyse profitieren konnten. Über eine lange Zeit hinweg bot er zunächst zusammen mit Prof. Jürgen Kopf einen „Röntgenkurs“ für Doktorand:innen an, später hat sein langjähriger Kollege Falk Olbrich diesen Kurs zu einer Lehrveranstaltung für interessierte Studierende ausgebaut. Hier konnte alles im Umgang mit ShelXTL erlernt werden. Auch ich habe zu Beginn meiner Tätigkeit am Fachbereich Chemie diesen Kurs besucht. Dieser Kurs bildete dann die Grundlage für die Lehrveranstaltung „Praktische Übungen zur Bestimmung von Kristallstrukturen aus Einkristall- und Pulverdaten“, die ich mit Uli Behrens gemeinsam im Zeitraum zwischen 2010 (das Jahr seines „Un-Ruhestandes“) und 2017 angeboten haben – übrigens mit stetig wachsender Beliebtheit: Zu Beginn hatten wir ca. 15 Studierende in der Übung, am Ende waren es ungefähr 55. Ich bin meinem Mentor und Lehrmeister in Sachen Röntgenographie außerordentlich dankbar und ich vermisse ein bisschen die stundenlangen gemeinsamen Sitzungen, in denen wir Problemstrukturen gelöst und andere kristallographische Nüsse geknackt haben. Da wir übrigens beide Frostbeulen sind (s.a. das Foto), war es in unseren Büros überdurchschnittlich gut geheizt, was eventuell mit dazu beitrug, dass unsere Köpfe rauchten. Unvergessen bleibt für mich auch sein Spruch, „Das hexagonale Kristallsystem muss der Teufel erfunden haben“, den ich häufiger in meinen Vorlesungen zitiere, wobei ich inzwischen davon überzeugt bin, dass das trigonale Kristallsystem vom Beelzebub erschaffen wurde. Uli war auch stets offen für Neues und so konnte ich ihn im Gegenzug ein bisschen in das Feld der Rietveldverfeinerung und Monte-Carlo-Simulationen einführen. Dies führte sogar zu einer gemeinsamen Publikation im Jahre 2012 zusammen mit Falk Olbrich, in der wir über die Aufklärung der Struktur des Lithium- und Natriumtetraphenylborats aus Röntgenpulverdaten berichteten.
Seit der Coronapandemie ist Uli – nicht nur zu meinem Bedauern – leider nicht mehr ganz so häufig an der Uni. Solltest Du aber einmal wieder große Lust verspüren, eine Zwillings- oder sonstige Problemstruktur zu lösen, oder einfach mit uns einen Kaffee beim Bäcker zu trinken, komm‘ gerne vorbei!
Lieber Uli, das Institut für Anorganische Chemie und der gesamte Fachbereich Chemie gratulieren Dir herzlichst zu Deinem 80. Geburtstag und senden beste Wünsche für Gesundheit und die weitere Zukunft! Wir hoffen, Du kannst Deinen Aktivitäten noch lange Nachgehen, genießt zusammen mit Deiner Frau Euer Wochenendhaus in der Lüneburger Heide, das Singen im Gospelchor, das Arabischlernen u.v.a.m. – alles Gute!

