Trauer um Dr. Georg Job
4. März 2026, von Regina Rüffler, Wolfgang Metz, Irene Schwier

Foto: privat
Dr. Georg Job ist am 13. Februar 2026 nach längerer schwerer Krankheit verstorben. Geboren am 4. Juli 1936 in Wlochy, einem Stadtbezirk von Warschau, besuchte er nach der Flucht in Hamburg die Volks- und Oberschule und begann 1956 das Studium der Chemie an der Universität Hamburg. Schon früh war ihm die Vereinfachung und Vereinheitlichung der Thermodynamik ein großes Anliegen, dem er dann sein späteres wissenschaftliches Leben widmete. Prof. Wolfgang Metz erinnert sich an die Anfänge: „Am Institut für Physikalische Chemie war ab den 1960er Jahren ein jährlicher Institutsausflug üblich. Anlässlich eines solchen Ausflugs, der zum idyllischen Pinnsee nahe der Stadt Mölln führte, sah man Georg Job zusammen mit dem damaligen Institutsdirektor Prof. Adolf Knappwost bei schönstem Sommerwetter am Seeufer stehen, bis zu den Knien im Wasser und in ein intensives Gespräch vertieft. Es ging darum, dass die Thermodynamik – ein Hauptthema in der Vorlesung des Professors über Physikalische Chemie – bei den Studierenden als schwierig und deshalb unbeliebt galt. Daher schien eine Art Verständnishilfe in Form einer Vortragsreihe erstrebenswert, die Georg Job halten sollte, der bereits als Diplomand mit guten didaktischen Fähigkeiten aufgefallen war.“
Erfahrungsgemäß bereiten zwei grundlegende thermodynamische Größen besondere Verständnisschwierigkeiten: die Entropie und das chemische Potenzial, herkömmlich als „partielle molare freie Enthalpie“ definiert. Nach langer intensiver Arbeit an der Thematik erkannte Georg Job, dass sich gerade diese Problembegriffe ganz elementar als Grundbegriffe des ganzen Gebäudes der Thermodynamik verwenden lassen, und zwar durch phänomenologische Charakterisierung verbunden mit direkter Metrisierung. Nach seiner Promotion 1969 über das Thema „Vereinfachte thermodynamische Behandlung von Gleichgewichts- und Nichtgleichgewichtszuständen in der Physikalischen Chemie“ bei Prof. Knappwost war er seit 1970 Dozent am Institut für Physikalische Chemie der Universität Hamburg. Dr. Irene Schwier begegnete Georg Job als junge Studentin in den 1970er Jahren: „Sein didaktischer Zugang zur Thermodynamik war grundlegend anders – er dachte Konzepte neu, wo andere sie nur überlieferten. Unter uns Studierenden fand er begeisterten Zuspruch, denn wir empfanden den damals üblichen Lehrkanon als angestaubt und wenig einladend.“ Die Vorlesung zur “Neudarstellung der Wärmelehre“ mündete schließlich 1972 in die Veröffentlichung des gleichnamigen Buches durch die Akademische Verlagsgesellschaft in Frankfurt am Main.
Aufgrund dieser Buchpublikation kam der Kontakt mit der Arbeitsgruppe um Prof. Gottfried Falk zustande, der seit Anfang der 1970er Jahre den Lehrstuhl für Didaktik der Physik an der Universität Karlsruhe innehatte. Es folgten mehr als fünfzig Jahre intensiver und fruchtbarer Zusammenarbeit insbesondere mit Prof. Friedrich Herrmann, der in späteren Jahren den Lehrstuhl übernahm. Folgerichtig führte Georg Job von 1979 bis 1980 eine Gastdozentur nach Karlsruhe, eine weitere 1983 an die Tongji-Universität in Shanghai.
Ein Meilenstein war auch 2002 die Gründung der Job-Stiftung für Thermo- und Stoffdynamik durch seinen Bruder, den Unternehmer Eduard J. Job, dem er bei der Entwicklung thermisch auslösender Glasampullen (Thermo-Bulbs) mit Rat und Tat zur Seite gestanden hatte. Ziel war die Förderung von Programmen zur Vereinfachung und Neugestaltung des naturwissenschaftlichen Unterrichts an Schulen und Hochschulen unter besonderer Berücksichtigung des neuen Lehrkonzepts. In konstruktiver Zusammenarbeit mit Dr. Regina Rüffler, die kurz nach der Gründung in die Stiftung eingetreten war, entstand das Lehrbuch „Physikalische Chemie – eine Einführung nach neuem Konzept mit zahlreichen Experimenten“, das inzwischen bereits in zweiter Auflage erschienen ist und auch in englischer und spanischer Sprache veröffentlicht wurde. Als Ergänzung wurde das „Arbeitsbuch Physikalische Chemie“ abgefasst, um den Studierenden anhand von Übungsaufgaben mit den zugehörigen detaillierten Lösungsvorschlägen die Möglichkeit zu geben, den erarbeiteten Lehrbuchstoff durch Auseinandersetzung mit einer konkreten Problemstellung einzuüben. Da die Autoren unabhängig voneinander schon früh das große didaktische Potenzial von Demonstrationsexperimenten erkannt hatten, die die ihnen zugrundeliegenden abstrakten Sachverhalte sinnlich erfassbar machen, wurden über einhundert Schauversuche in das Lehrbuch integriert und zugehörige detaillierte Anleitungen und Videos erstellt. Das neue didaktische Konzept konnte auf zahlreichen nationalen und internationalen Konferenzen mit Erfolg vorgestellt werden.
Wenn nun aber der Eindruck entstanden sein sollte, Georg Job hätte sich NUR für die Thermodynamik interessiert, so täuscht dies: Er war in seiner restlichen Zeit ein großer Abenteurer. Es zog ihn in aller Welt an interessante und lehrreiche Plätze, nicht als „klassischer“ Tourist, sondern als Teilnehmer an unbekanntem, teilweise auch gefährlichem Leben. Bei seinen großen vielwöchigen Reisen lebte er mit den Pygmäen in Papua-Neuguinea, wanderte zwischen den isländischen Geysiren umher, wobei er sich einen Fuß verbrannte, wurde in Zentralafrika beim Grenzübertritt im Tschad verhaftet und mehrere Tage verhört, natürlich durften auch Nepal, der Amazonas-Regenwald, die Wüste Gobi und andere außergewöhnliche Ziele nicht fehlen.
Wir schätzten Georg Job als kritischen Denker, der in der Lehre der Physikalischen Chemie neue Wege beschritt. Sein Erbe wird in den Büchern und wissenschaftlichen Artikeln weiterleben und als Inspirationsquelle dienen. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau und Familie.

