Prozessübergreifende Analyse zur Authentizitätsprüfung von Camellia sinensis
24. September 2026

Foto: teeverband.de
Die Authentizität von Lebensmitteln gewinnt bei den Kaufentscheidungen der Verbraucher:innen zunehmend an Bedeutung. Die Sicherstellung der Authentizität, also die Überprüfung der Echtheit von Angaben wie zum Beispiel der Herkunft oder der Sorte, wird dabei vom Gesetzgeber durch das Prinzip der Rückverfolgbarkeit angestrebt und erfolgt üblicherweise dokumentenbasiert. In der Praxis bietet die alleinige Kontrolle solcher Begleitpapiere jedoch häufig keinen ausreichenden Schutz, da diese leicht gefälscht werden können.
Klassischer Tee (Camellia sinensis) wird weltweit angebaut und ist eng mit traditionellen Herkunftsgebieten wie Darjeeling oder Assam in Indien verbunden. Für das Inverkehrbringen in der EU gelten u.a. hohe Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit hinsichtlich Rückständen von Pflanzenschutzmitteln. Dadurch kann die Verfügbarkeit von Tee aus einzelnen Herkunftsregionen eingeschränkt sein, während andere Anbaugebiete, etwa in Afrika, zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Mit der wachsenden Vielfalt an Bezugsquellen gewinnt auch die Überprüfung der tatsächlichen Herkunft und Qualität von Tee an Bedeutung. Herkunft und Anbaugebiet können den Marktwert eines Tees wesentlich beeinflussen und damit einen Anreiz für falsche oder irreführende Deklarationen schaffen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln sowie an den Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen. Neben der geografischen Herkunft bestimmen weitere Merkmale wie Kultivar und Erntezeitpunkt die Qualität und den Preis eines Tees. Daraus ergibt sich ein zunehmender Bedarf an zuverlässigen analytischen Methoden, mit denen diese Merkmale objektiv überprüft werden können.
Solche objektive Authentifizierungsverfahren schaffen nicht nur mehr Sicherheit und Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern unterstützen auch Hersteller, Importeure und Handel dabei, Falschdeklarationen frühzeitig zu erkennen und wirtschaftliche Schäden sowie Reputationsverluste zu vermeiden.
Ziel des Projektes „Prozessübergreifende Analyse zur Authentizitätsprüfung von Camellia sinensis“ (T-FACTS), welches im Rahmen der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) über den Forschungskreis der Ernährungsindustrie e. V. (FEI) gefördert wird, ist es daher zuverlässige analytische Methoden zu entwickeln, mit denen sich die Herkunft und die Qualität von Tee überprüfen lassen. Dafür kommen zwei komplementäre Ansätze zum Einsatz: die Analyse der DNA und der Elementzusammensetzung.

Die DNA-Analyse liefert Informationen über die genetische Identität der Teepflanze. So sollen verschiedene Teesorten bzw. Kultivare voneinander unterschieden und auch Mischungen verschiedener Kultivare erkannt und bestimmt werden können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz der digitalen PCR (dPCR). Diese Methode soll für die Authentizitätsprüfung von Tee weiterentwickelt und in der Lebensmittelanalytik etabliert werden. Anhand charakteristischer DNA-Sequenzen sollen verschiedene Tee-Kultivare gezielt nachgewiesen werden. Besonders wichtig ist dabei die Analyse von Teemischungen: Auch einzelne Kultivare innerhalb einer Mischung aus mehr als zwei Kultivaren sollen zuverlässig erkannt und ihre jeweiligen Anteile quantifiziert werden können. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit kultivarspezifische DNA-Merkmale auch zur Überprüfung und Eingrenzung der geografischen Herkunft von Tee genutzt werden können. Damit soll die digitale PCR zukünftig ein schnelles und zuverlässiges Werkzeug zur Überprüfung von Identität, Zusammensetzung und Herkunft von Tee darstellen.
Zusätzlich sollen die Elementprofile als charakteristische chemische Fingerabdrücke des Tees genutzt werden. Da die Teepflanze Elemente aus Boden und Wasser aufnimmt, können diese Profile Hinweise auf geografische Herkunft und Qualitätsmerkmale geben. Mithilfe der ICP-MS und statistischer Auswertungsverfahren sollen daraus zuverlässige Modelle zur Bestimmung bestimmter Qualitätsparameter wie Herkunft und Erntezeitpunkt von Tee entwickelt werden.
Grundlage für beide Ansätze sind authentische Teeproben mit bekannter Herkunft, Sorte und Qualität. Anhand dieser Referenzproben werden die Methoden entwickelt und anschließend mit unabhängigen Proben überprüft. Um den Zugang zu geeignetem und praxisnahem Probenmaterial sicherzustellen, wird das Projekt daher in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tee & Kräutertee Verband sowie mit Unternehmen und unabhängigen Prüflaboren wie SGS Germany und Eurofins Dr. Specht International durchgeführt.
Das Projekt wird in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Markus Fischer durchgeführt und mit 273 T€ gefördert.


