Wissen vom Fass 2026
16. Juni 2026, von Frank Hoffmann

Foto: UHH/Esfandiari
Wissenschaft bei einem Getränk diskutieren, Forschende persönlich kennenlernen und spannende Fragen aus Chemie und Physik entdecken: Anfang Juni fand eine neue Runde von „Wissen vom Fass“ statt. Diese Reihe wird seit 2015 von der Universität Hamburg und dem DESY gemeinsam veranstaltet; in diesem Jahr fand sie erstmals an zwei Abenden statt.
Der Fachbereich Chemie war dieses Mal besonders gut vertreten. Gleich sieben Professor:innen unseres Fachbereichs hielten Vorträge zu spannenden Themen.

Maria Buchweitz war im Kulturladen St. Georg im Einsatz und erörterte die Frage: „Ist der Nutri-Score geeignet, um uns im Supermarkt zu navigieren?“ Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Der zugrunde liegende Algorithmus verrechnet ungünstige Inhaltsstoffe wie Zucker, Salz, gesättigte Fettsäuren und den Energiegehalt mit positiven Faktoren wie Ballaststoffen, Eiweiß sowie dem Anteil an Obst und Gemüse. Das führt mitunter zu überraschenden Ergebnissen. So können stark verarbeitete Produkte bessere Bewertungen erhalten als Fruchtsäfte. Der Kulturladen war bis auf den letzten Platz besetzt, und das Publikum zeigte großes Interesse. Prof. Buchweitz gestaltete ihren Vortrag gleichermaßen informativ wie unterhaltsam. Sie integrierte dabei interaktive Elemente. Die Gäste beteiligten sich engagiert, beantworteten Quizfragen und nutzten im Anschluss die Gelegenheit, durch zahlreiche Fragen ihr Wissen zu vertiefen.

Im Café Klatsch im Karolinenviertel war das Haus voll: Lars Longwitz hielt eine lebhafte Vorlesung, unterstützt von David Kaiser. Mit einem mobilen Whiteboard und einigen sicheren Chemikalien ging es um den „Gestank von Geld und den Kater nach Alkoholkonsum“ und wie Katalyse unser tägliches Leben sonst so beeinflusst. Klassische Demonstrationen wie die Elefantenzahnpasta und die Lipidoxidation mit Münzen wurden mitten im Lokal gezeigt. Außerdem stand das Thema Enzyme im Fokus: Die Aktivität von Leberenzymen wurde live anhand des Verzehrs von Limoncello und anderen Getränken erprobt. Auch die Vorteile der Biokatalyse im Alltag kamen zur Sprache, etwa der Einsatz von Lipasen zur Entfernung von Fettflecken in Waschmitteln. Die anschließenden, lebhaften Diskussionen zeigten: Die Katalyseforschung hat viele neue Interessierte gewonnen.

Bianka Siewert und Wolfgang Maison führten im Brauhaus ÜberQuell am Fischmarkt gemeinsam durch einen etwa 30-minütigen Vortrag zum Thema „Licht an, Krebs aus“. Das Brauhaus bietet mit seiner besonderen Atmosphäre, gutem Bier und hervorragender Pizza einen idealen Rahmen für den Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Mit rund 90 Zuhörerinnen und Zuhörern war die Veranstaltung sehr gut besucht. Ein besonderer Dank gilt dem engagierten ÜberQuell-Team für die hervorragende Unterstützung.
Nach einer Einführung in die Herausforderungen der Krebsdiagnostik und -therapie erläuterten die Vortragenden anschaulich die Unterschiede zwischen gesunden Zellen und Krebszellen. Dabei kamen eigens von der Forschungswerkstatt gefertigte Zellmodelle und ein Gin/Tonic zum Einsatz, die das Verständnis der komplexen biologischen Zusammenhänge erleichterten. Für die Anfertigung der Modelle gilt der Forschungswerkstatt TMC ein großes Dankeschön.
Im Fokus standen innovative Ansätze des Tumor-Targetings sowie lichtbasierte Verfahren für Diagnostik und Therapie. Die Vortragenden zeigten, wie Licht genutzt werden kann, um Tumoren präziser sichtbar zu machen und künftig gezielter zu behandeln. Im Anschluss entwickelte sich eine intensive Fragerunde, in der das Publikum die Gelegenheit nutzte, mit den Forschenden ins Gespräch zu kommen. Das Dialogformat wurde von den Zuhörerinnen und Zuhörern sehr positiv aufgenommen und trug maßgeblich zum lebendigen Austausch bei.

Sehr gutes Klima herrschte auch beim Klima-neutralen Vortrag von Volkmar Vill und Quynh Nhi im Wohnzimmer bei Hannes und Hanna (Weidenallee 60) zum Thema „Fossile Unabhängigkeit auch auf unseren Köpfen?“
Sie berichteten über Innovationen, die die klassischen Haarcolorationen auf Erdölbasis durch aus Pflanzen-Extrakten gewonnene nachhaltige Naturstoffe ersetzen können. Damit die fossile Unabhängigkeit endlich nicht nur in, sondern auch auf unseren Köpfen ankommen wird! Zur Untermalung zeigten sie Exponate und kleine chemische Versuche. Und auch hier kam es zu einem regen Gedankenaustausch mit den Gästen.

Michael Fröba hielt in der Weinbar Hammer Weine (Riesserstrasse 9) einen etwa 45-minütigen Vortrag zum Thema „Wasser ist nicht nur zum Waschen da“, in dem er über die äußerst interessanten Eigenschaften dieser alltäglichen und doch so besonderen Flüssigkeit berichtete: Vom Molekülaufbau über die Kristallform von Schneeflocken bis zu den Kapillarkräften, mit denen Bäume das Wasser bis zu 100 Meter hochpumpen können. Es ging um die Besonderheit der chemischen Substanz Wasser und wie es das Leben auf der Erde überhaupt erst ermöglicht hat und immer noch erhält. Anschließend gewährte er noch einen kurzen Einblick in die Aktivitäten rund um den Exzellenzcluster BlueMat – Wassergesteuerte Materialien. Das Publikum der sehr gut besuchten Bar lauschte gespannt und hatte hinterher noch ausführlich Gelegenheit, Fragen zu stellen, von denen Herr Fröba keine unbeantwortet ließ, so dass am Ende alle zufrieden und mit gestilltem Wissensdurst nach Hause gehen konnten. Auch für den Wirt war die Veranstaltung ein voller Erfolg.

Dass sich Lebensmittelchemiker:innen mit Lebensmitteln beschäftigen geht ja schon aus der Berufsbezeichnung hervor, allerdings gibt es eine ganze Reihe anderer Sachen, die mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen und für die wir Lebensmittelchemiker:innen auch zuständig sind.
Die Veranstaltung von Markus Fischer mit dem Titel „Lebensmittel und andere Sachen“ fand in der sehr familiären und gemütlichen Minibar Moralia in Wilhelmsburg statt. Zum Glück hat das Wetter mitgespielt, da es sich, wie der Name vermuten lässt, um eine sehr kleine Location gehandelt hat und doch recht viele Leute von außen dem Vortrag lauschten.
Die Einführung zum Thema hat die KI übernommen. Markus Fischer hatte einen KI-Musik-Generator mit Text aus den Vorlesungsfolien gefüttert und am Ende einen poppigen Song erhalten, der hervorragend beim Publikum ankam. Nach dieser musikalischen Einführung in das Thema war den Zuhörern klar, dass es beim Beitrag eben nicht nur um Lebensmittel gehen wird und dass Forschung auch großen Spass bereiten kann!
Zu den anderen Sachen gehören beispielsweise Futtermittel, die ja eine gewisse Ähnlichkeit zu Lebensmitteln haben und deren Inhaltsstoffe dann auch über das Tier direkt oder in abgewandelter Form auf unserem Teller landen. Und dann zählen dazu auch noch eine Reihe von nicht-essbaren Sachen wie Kosmetika, Unterwäsche, Haarteile, Verpackungsmaterialien oder auch Spielzeug. Letztlich geht es hierbei um Dinge, die auch und nicht nur vorübergehend mit den Lebensmitteln oder auch dem menschlichen Körper in Berührung kommen und im schlimmsten Fall auch Krankheiten verursachen können. Markus Fischer erläuterte allgemein verständlich, auf was es alles ankommt, wie Analytik bei Lebensmitteln und eben auch bei den anderen Sachen funktioniert oder wie man sich ein Flugzeitmasssenspektrometer unter Verwendung eines Tischtennis- und eines Fussballs vorstellen kann.
Am Ende gab es eine sehr lebhafte Gesprächsrunde und da von Lebensmitteln und den anderen Sachen ja jeder Mann und jede Frau betroffen ist, fiel es den Zuhörern leicht, ihre Fragen zu formulieren.

