Prof. Markus Fischer: Beauftragter für Nachhaltigkeit im Fachbereich Chemie
18. Mai 2026

Foto: Prof. Markus Fischer
Der Fachbereich Chemie spielt eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft. Wir entwickeln Lösungen für den Klimaschutz, die Ressourcenschonung und die Kreislaufwirtschaft. Nachhaltige Chemie als unser Leitbild ist somit eine verbindende Brücke unserer Forschungsschwerpunkte Biologische Chemie und Molekularbiologie mit Material- und Nanochemie.
Auf der Klausurtagung im April 2023 wurde ein Nachhaltigkeitsteam gegründet, welches einzelne Projekte im Fachbereich koordiniert und zur Mitarbeit motiviert. Um diesem mehr Gewicht zu geben, wurde Prof. Markus Fischer 2026 als Beauftragter für Nachhaltigkeit im Fachbereich Chemie eingesetzt.
Was macht ein Nachhaltigkeitsbeauftragter am Fachbereich Chemie?
Meine Aufgabe besteht darin zusammen mit unserem Nachhaltigkeitsteam das Thema Nachhaltigkeit systematisch in der Lehre und in der Forschung zu verankern. Dazu gehört die Entwicklung von Strategien, wie wir Ressourcen effizienter nutzen, Emissionen reduzieren und umweltfreundliche Methoden implementieren können. Außerdem sensibilisieren wir durch unsere Arbeit Kolleg:innen, Mitarbeitende sowie Studierende für nachhaltiges Handeln. Auch Fragen viele Schüler:innen und die allgemeine Öffentlichkeit, was wir zum Thema Nachhaltigkeit besteuern, so dass der Kontakt in die Schulen und Gesellschaft ein wichtiges Thema ist und wir unsere Aktivitäten sichtbarer machen wollen.
Warum ist dir Nachhaltigkeit persönlich so wichtig – gab es einen Auslöser oder „Aha“-Moment?
Für mich gab es einen besonderen Moment während meiner Zeit als Fachbereichsleiter, als mir klar wurde, wie stark chemische Prozesse/Methoden und industrielle Verfahren die Umwelt beeinflussen können – von Abfällen über Energieverbrauch bis hin zu Emissionen. Dieses Bewusstsein hat mich motiviert, nicht nur dieses Thema stärker in unsere wissenschaftlichen Publikationen einfließen zu lassen, sondern aktiv Lösungen zu entwickeln und damit einen Beitrag für eine nachhaltigere Zukunft zu leisten. Auch war der Kontakt zum Sustainability Office der Universität mit Frau Prof. Laura Edinger-Schons eine wichtige Motivation, da sich seitdem an der Universität zum Thema Nachhaltigkeit viel Positives entwickelt hat.
Wo gab es in Deiner Arbeitsgruppe bereits sichtbare nachhaltige Entwicklungen? Welche Schritte stehen als nächstes an?
In den letzten Jahren haben wir z. B. den Einsatz von Lösungsmitteln bei analytischen Verfahren optimiert, Recyclingmöglichkeiten für Chemikalien verbessert und ressourceneffizientere Geräte eingeführt. Wirft man bspw. einen Blick auf die Flüssigchromatographie, so ging die Entwicklung von großen gepackten, sehr lösungsmittelintensiven Glassäulen über die HPLC zur UHPLC (ultra high performance liquid chromatography), was eine kontinuierliche Reduzierung im Lösungsmittelverbrauch bedeutete. Vor ein paar Jahr haben wir in unserem Labor eine Nano-HPLC eingeführt, die im Mikroliterbereich während die UHPLC im Milliliterbereich arbeitet. Kurzum, wir haben es hier mit eine sehr „grünen“ Methode, die um den Faktor 1000 effizienter mit dem Lösungsmittelverbrauch umgeht zu tun. Ähnlich verhält es sich bei dem Nachweis einzelner Elemente in Proben. Früher haben wir die Proben mit starken Säuren und Chemikalien über Nacht gekocht, heutzutage nutzen wir einen mikrowellenbasierten Aufschluss, der chemikalien-, energie- und zeiteffizienter abläuft. Aktuell versuchen wir auf Chemikalien komplett zu verzichten unter Verwendung der Laserablation. Um tatsächlich die Arbeit in einem chemischen Labor nachhaltiger zu gestalten sind kontinuierliche Optimierungsprozesse - sowohl auf methodischer wie auch auf apparativer Seite - erforderlich und daran arbeiten wir.
Was kann die Chemie als Fach zur Nachhaltigkeit beitragen?
Chemie ist zentral, wenn es darum geht, nachhaltige Materialien, Prozesse und Energielösungen zu entwickeln. Wir können umweltfreundliche Synthesen gestalten, alternative Rohstoffe erforschen und Technologien entwickeln, die weniger Ressourcen verbrauchen. Kurz gesagt: Chemie kann helfen, nachhaltige Innovationen von der Idee bis zur Anwendung zu bringen. Und an einer Universität ist es natürlich von entscheidender Bedeutung, diese gesamte Denkweise auch den Studierenden zu übermitteln, damit diese dann auch bei ihren zukünftigen Arbeitgebern implementiert werden kann.
In welchen Forschungsrichtungen leistet der Fachbereich aktuell den größten Beitrag zur Nachhaltigkeit?
Aktuell engagieren wir uns stark in den Bereichen grüne Chemie, Energie- und Batterieforschung, Katalyse für effizientere Prozesse, biobasierte Materialien und umweltschonendere analytische Verfahren. Diese Forschungsfelder haben direkten Einfluss auf Umweltbelastung, Ressourcenschonung und die Entwicklung nachhaltiger Technologien.
Was bekommt man als Studentin oder Student am Fachbereich vom Thema Nachhaltigkeit mit?
Studierende können direkt in Laborpraktika nachhaltige Methoden kennenlernen, Projekte zu grüner Chemie bearbeiten oder sich in Initiativen für Ressourcenschonung engagieren. Außerdem fließen Nachhaltigkeitsthemen zunehmend in Vorlesungen und Seminare ein, sodass sie das Thema nicht nur theoretisch, sondern praxisnah erleben.
Wie arbeitet der Fachbereich im Bereich Nachhaltigkeit innerhalb der Universität zusammen und welche Wünsche gibt es für die Zukunft?
Wir arbeiten sehr eng mit dem Sustainability Office, welches die Nachhaltigkeitsaktivitäten der UHH koordiniert, zusammen. Nachdem die Sensibilisierung für das Thema Nachhaltigkeit ständig zunimmt, hält es auch immer mehr Einzug in die Forschung und damit auch in Publikationen und Vorträge.
Ein wichtiger Punkt für die Zukunft wäre ein Anreizsystem für den Ersatz von nachhaltigen Geräten - bspw. energieeffizient Kühlgeräte - und auch für nachhaltigkeitswirksamen Aktivitäten. Gerade Letztere spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Weiterentwicklung der gesamten Nachhaltigkeitsstrategie.
Einen noch viel größeren Beitrag zum Einsparen von Energie und Kosten können wir mit der Absenkung der Zu- und Abluft in Randzeiten des Laborbetriebs erzielen. Es ist vorgeschrieben, dass bei Arbeiten im Labor ein achtfacher Luftwechsel stattfinden muss. Die gesamte Raumluft wird somit innerhalb einer Stunde achtmal vollständig mit Frischluft ersetzt. Und diese wird bei kühlen Außentemperaturen vorher erwärmt. Gemeinsam mit der Haustechnik, der Arbeitssicherheit, dem Sustainability Office und den Wissenschaftler:innen arbeiten wir daran, dass wir die Austauschrate nachts und an Wochenenden reduzieren und trotzdem einen sicheren Betriebszustand erhalten können.
Wo siehst du uns bei diesem Thema in den nächsten Jahren?
Mittelfristig sehe uns als Fachbereich, der nachhaltige Forschung, Lehre und Laborbetrieb selbstverständlich integriert hat. Wir werden nicht nur in unseren Laboren ressourceneffizient arbeiten, sondern auch Studierende umfassend für nachhaltige Chemie ausbilden. Außerdem wollen wir durch Kooperationen und innovative Projekte eine Vorreiterrolle in der grünen Chemie einnehmen – lokal, national und international. Schon jetzt arbeiten wir daran, uns für unsere Nachhaltigkeitsmaßnahmen zertifizieren zu lassen und somit innerhalb der Universität und nach außen hin eine Vorreiterrolle einzunehmen.

