Drittmittel-geförderte Forschungsprojekte
der Arbeitsgruppe Univ.-Prof. Dr. med. I. Mühlhauser und MitarbeiterInnen
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Entwicklung und Pilotierung einer Leitlinie zur Erstellung und Präsentation von evidenzbasierter Patienteninformation (EBPI)
Laufzeit: 1. 6. 2010 - 30. 4. 2012
Kooperationspartner: Universitäten Hamburg und Witten/Herdecke, WINEG, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin - Fachbereich Patienteninformation
Beschreibung: Evidenzbasierte Patienteninformation (EBPI) ist eine Vorraussetzung für informierte Entscheidungen. Die meisten Bürger und Patienten wollen mehr und vor allem glaubwürdigere Informationen und eine größere Beteiligung an der Entscheidungsfindung. Das Recht von Patienten auf EBPI begründet sich zudem aus einem ethischen Anspruch heraus. Insbesondere im Bereich chronischer Krankheiten sind EBPI unabdinglich, denn die bisher vorliegenden Informationen diverser Anbieter sind überwiegend geringer Qualität und oftmals interessengeleitet.
Schulungsprogramme, die die Kompetenz zur Erstellung einer Zielgruppen gerechten und verständlichen EBPI befördern können, liegen aber nicht vor. Für die Erstellung von Patienteninformationen aus Leitlinien gibt es keine wissenschaftlich begründeten Anleitungen. Der Bedarf hierfür ist dringend. Die hier geplante S3 Leitlinie mit Schulungsprogramm zielt darauf ab, Anbieter von Patienteninformationen, Fachgesellschaften. Industrie u. a. zu befähigen, EBPI nach höchsten Standards zu erstellen. Das Projekt schließt inhaltlich an das Projekt zur Evaluation einer EBPI zum Thema Darmkrebs der ersten Förderphase dieser Ausschreibung an sowie an weitere umfangreiche Vorarbeiten der Antragstellerinnen.
Mit dem Projekt wird eine Leitlinie für EBPI erstellt und in Pilotstudien evaluiert. Es gilt den Nachweis zu führen, dass die Leitlinie die Qualität von EBPI verbessert.
Die S3 Leitlinie zur Erstellung von EBPI kann langfristig die Versorgung mit qualitativ hochwertiger Patienteninformation erreichen und damit informierte Entscheidungen von Patienten befördern. Hochwertige EBPI kann Patienten befähigen, sich von den zunehmend an sie herangetragenen, interessensgeleiteten diagnostischen und therapeutischen Angeboten zu distanzieren und eine Unterscheidung zwischen Nutzen versprechenden und fragwürddigen Optionen vorzunehmen. EBPI kann auch dazu beitragen, dass Entscheidungen im Gesundheitssystem von Patienten besser nachvollzogen werden können.
Der Leitlinienerstellungsprozess folgt dem aktuell vorgeschlagenen modifizierten Standard der Leitlinienentwicklung. Zudem werden die methodischen Schritte zur systematischen Leitlinienentwicklung des Scottish Intercollegiate Guideline Network (SIGN) und die Kriterien des Deutschen Instruments zur methodischen Leitlinien-Bewertung (DELBI) zugrunde gelegt. In Anlehnung an die Methodik des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) gilt es, die Relevanz, Angemessenheit, Vollständigkeit und Praktikabilität der Leitlinienempfehlungen durch externe Gutachter und Fokusgruppen mit potentiellen Anwendern und Betroffenen prüfen zu lassen. Im Einzelnen umfasst der Prozess die Entwicklung eines Methodenpapiers zur Steuerung des Leitlinienerstellungsprozesses (Methodiker Uni- Hamburg und Witten/Herdecke), die Entwicklung der zu bearbeitenden Fragestellungen (Experten), die Anfertigung der Leitlinie und die Formulierung der Empfehlungen und die Entwicklung des Schulungsprogramms (Methodiker Uni- Hamburg und Witten/Herdecke), die externe Begutachtung der leitlinie durch drei Experten, die Anpassung der EBPI-Checkliste zur Evaluation (Methodiker Uni- Hamburg).
Die Pilotierung erfolgt in zwei Fokusgruppen mit je zehn potentiellen Anwendern der Leitlinie. Zudem finden zwei Pilotschulungen des Schulungsprogramms mit je zehn potentiellen Anwendern der Leitlinie statt. Anschließend erfolgt die Revision von Leitlinie und Schulungsprogramm.
Die Stichprobe zur Evaluation der Leitlinie im Vorher-Nachher-Design umfasst 20 Ersteller von Patienteninformationen aus verschiedenen Institutionen, die in der Vergangenheit bereits Produkte erstellt haben und im definierten Projektzeitraum mindestens eine EBPI erstellen können. Adressiert werden u. a. die AWMF (Patientenleitlinien), Krankenkassen, die Unabhängige Patientenberatung, Verbraucherzentralen, Journalisten, Pharmafirmen.
für die Evaluation (Vorher) werden je eine Information der Studienteilnehmer vor Bereitstellung der Leitlinie eingeschlossen. Fünf Studienteilnehmer erstellen je eine Leitlinie für den Bereich der chronischen Erkrankungen, fünf weitere erhalten zusätzlich zur Leitlinie die Schulung und erstellen ebenfalls eine EBPI für ihren Bereich. Die Zuordnung zu den Gruppen erfolgt per Zufallsverfahren. Die Evaluation der EBPI erfolgt anhand der überarbeiteten EBPI-Checkliste. Die Ratings der EBPI werden von zwei unabhängigen, trainierten Personen durchgeführt, die gegen die Gruppenzugehörigkeit verblindet sind.
Die kostenlose Verbreitung der Leitlinie mitsamt Schulungsmanual erfolgt nach erfolgreicher Evaluation über das DNEbM, FB Patienteninformation. Die Schulungen können parallel zu den etablierten EBM-Kursen angeboten werden. Die Aktualisierung der Leitlinie erfolgt ebenfalls über den FB Patienteninformation.
Durch Publikationen und Vorträge werden die Leitlinie und das Schulungsprogramm Deutschland-weit bekannt gemacht. Das DNEbM, FB Patienteninformation, hat die Unterstützung des Projekts zugesagt. Die Ergebnisse werden die Erstellung von Patienteninformationen unterstützen.
Ansprechpartner:
Dr. phil. Anke Steckelberg
Anke.Steckelberg@uni-hamburg.de